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Originalartikel auf Chinesisch Professor David Lung, Professor Yuen Kwok-yung 
Übersetzt von 野次 


(Foto von Weibo)

Winter 2019, die Corona-Epidemie brach in Wuhan aus; Frühling 2020, die Epidemie verbreitete sich in der Provinz Hubei; in China waren über 80.000 Menschen infiziert mit 3.000 Todesfällen. Erst über einen Monat nach dem Verhängen von Ausgangssperren ist die Lage unter Kontrolle gebracht worden. Dennoch hat die Epidemie nicht geendet, sondern sich bereits nach außen verbreitet. Im März wird die ganze Welt von der Epidemie geplagt. Die WHO hat zu spät reagiert und die Krankheit nicht rechtzeitig zur Pandemie erklärt. Allen Ländern mangelt es an Maßnahmen und Reserven und die Pandemie fegt über die Welt. Zwar bleiben Singapur, Hongkong, Macau und Taiwan derzeit von einem großen Ausbruch verschont und sind noch nicht befallen, aber es gibt stets vereinzelte importierte Fälle und Cluster.

Die Pandemie wurde durch ein Virus verursacht, dessen Form einer Krone ähnelt, deshalb heißt es Coronavirus. Seit 2015 vermeidet die WHO, Krankheiten nach Personen, Orten, Tieren, Lebensmitteln, Kulturen, Berufen, etc. zu benennen. Deswegen wurde diese Krankheit zur Identifizierung nach der Jahreszahl als COVID-19 benannt. Für das Internationale Komitee für die Taxonomie von Viren (ICTV) gilt die Sequenzierung des Virusgenoms als Nomenklaturregel und einzelne Gene werden sorgfältig untersucht, ohne andere Faktoren in Betracht zu ziehen. Da das Coronavirus zur Familie des SARS-Coronavirus gehört und keine “neuartige” Genomsequenzierung ist, wurde es SARS-Coronavirus 2.0 (SARS-CoV-2) genannt. Die Öffentlichkeit und internationale Medien bezeichnen es hingegen als Wuhan-Coronavirus oder Wuhan-Pneumonie; beides ist einfach, eindeutig und nicht falsch.

Die Benennung dieser Pandemie sorgt in der Gesellschaft für Kontroversen. Tatsächlich wurde die Krankheit von der WHO und das Virus vom ICTV genannt; die allgemeinen Bezeichnungen sind aber ortsüblich, wichtig ist, dass sie eindeutig und verständlich sind. Bei wissenschaftlicher Forschung oder akademischem Austausch sollen jedoch immer die offiziellen Bezeichnungen COVID-19 für die Krankheit bzw. SARS-CoV-2 für das Virus verwendet werden. Für die Alltagskommunikation der Bürger und die Verwendung in den Medien sind Wuhan-Coronavirus oder Wuhan-Pneumonie akzeptabel; beides ist gängig und verständlich und erleichtert die Kommunikation.

Pandemie 2020 – Ursprung in Wuhan

Rund 75% der neu entdeckten Infektionskrankheiten stammen von Wildtieren. Es gibt nur wenige Coronaviren, die Säugetiere infizieren können, und ihr Stammvirus kommt von Fledermäusen oder Vögeln. Beide Tiere können aus tausenden Kilometern Entfernung an den Ort fliegen, wo das Virus entdeckt wurde, deshalb kann ein Virus auch nach seinem Fundort benannt werden. Die genaue und objektive Methode, um ein Virus bis zu seinem Ursprung zurückzuverfolgen, ist, das Virus vom Körper des Wirtstiers zu isolieren. Leider war der Huanan-Fischgroßmarkt längst geräumt worden; als das Forschungspersonal da war, um Beweise zu sammeln und Proben zu nehmen, waren die lebenden Wildtiere auf dem Markt schon verschwunden. Der natürliche Wirt sowie der Intermediärwirt des Virus bleiben unbekannt. Laut örtlichen Personals wurden die Wildtiere auf dem Markt aus ganz China, Südostasien und Afrika (da wurden sie herausgeschmuggelt) angeliefert und vertrieben. Es konnte nicht nachvollzogen werden, woher das Stammvirus des Wuhan-Coronavirus kam.

Mithilfe der Genomsequenzierung konnte darauf zurückgeführt werden, dass der Virusstamm einer Fledermaus (RaTG13) und das Wuhan-Coronavirus äußerst ähnlich sind – mit 96% Ähnlichkeit der Sequenzierung. Deswegen wird angenommen, dass dieser das Stammvirus des Wuhan-Coronavirus ist. Da dieser Virusstamm von einer chinesischen Hufeisennase (Rhinolophus sinicus) in Yunnan isoliert und erworben wurde, ist zu glauben, dass Fledermäuse das natürliche Wirtstier des Wuhan-Coronavirus sind. Epidemiologische Studien haben deutlich gezeigt, dass der Huanan-Fischgroßmarkt das Epizentrum der Virusvermehrung war, wo das Virus wahrscheinlich vom natürlichen Wirtstier auf einen Intermediärwirt übertragen wurde und im Körper des Intermediärwirtes mutierte, sodass es sich an den menschlichen Körper angepasst hat und von Mensch zu Mensch übertragbar geworden ist.

Obwohl der Intermediärwirt unbekannt ist, zeigen die Spike-Rezeptor-Bindungsdomäne des Coronavirus und der Virusstamm des Coronavirus in Schuppentieren eine hohe Ähnlichkeit der Genomsequenzierung von 90%. Zwar kann es nicht sichergestellt werden, dass Schuppentiere der Intermediärwirt sind, aber der Virusstamm von Schuppentieren hätte hochwahrscheinlich die Gensequenz der Spike-Rezeptor-Bindungsdomäne (oder sogar die gesamte Gensequenz), die durch Rekombination ein neuartiges Coronavirus wurde, an den Virusstamm von Fledermäusen spenden können.

Wildtiermärkte sind Ursprung von Viren

2003 begann die SARS-Epidemie in Heyuan, brach in der Provinz Guangdong aus und verbreitete sich nach Hongkong. Das SARS-Coronavirus wurde an Larvenrollern gefunden und später verbat China eindeutig den Wildtierhandel. 17 Jahre später haben Wildtiermärkte trotz des Verbots nicht aufgehört zu bestehen, sondern sie sind sogar gewuchert. Die Chinesen haben die Lehre aus SARS völlig vergessen und lassen solche Märkte im Zentrum einer modernen Stadt Fuß fassen. Dort werden lebende Wildtiere öffentlich verkauft, zubereitet und konsumiert, worauf man nur seine Augen verdrehen kann. Der Tierkot auf den Märkten beinhaltet oft viele Bakterien und Viren; die Märkte sind eng und unhygienisch. Angesichts unterschiedlicher Tierarten können die Viren leicht rekombinieren und mutieren. Aus diesem Grund sollten die Wildtiermärkte verboten werden.

Die Umgestaltung der Märkte ist ein Schwerpunkt der Prävention von Epidemien. Die chinesische und die Hongkonger Regierung müssen umgehend durch verstärkte Lüftung sowie Insekten- und  Schadnagerbekämpfung  den Zustand der Märkte verbessern. Bis die Lebendtiermärkte vollständig abgeschafft werden, muss Tierkot ordentlich behandelt werden, um das Risiko der Genrekombination bei Viren zu verringern.

Im Internet geht das Gerücht herum, dass das Virus aus den USA stamme. Das wird gar nicht bewiesen und ist betrügerisch. Bitte teilt es nicht mehr und macht euch nicht lächerlich. Um eine Panik vor Epidemien zu verhindern, ist die Transparenz von Informationen am allerwichtigsten. Man soll auch ruhig und vernünftig nachdenken und nicht nur nach dem Hörensagen und Gerüchten berichten. Es war ein großer Fehler, nach SARS nicht schnell und entschlossen alle Wildtiermärkte zu schließen. Zur Bekämpfung der Pandemie muss man sich der Wahrheit stellen und darf den Fehler nicht wiederholen, die Schuld anderen zuzuschieben. Das Wuhan-Coronavirus ist das Produkt der schlechten Kultur der Chinesen – die hemmungslose Bejagung und der Konsum von Wildtieren, die unmenschliche Behandlung von Tieren und die Respektlosigkeit gegenüber Leben. Sie essen weiter Wildtiere, um ihre verschiedenen Begierden zu erfüllen; diese tief verwurzelte Unsitte der Chinesen ist genau der Ursprung des Virus. Mit derartigem Verhalten wird es nach einem Jahrzehnt bestimmt SARS 3.0 geben.

Professor David Lung ist Honorar-Assistenzprofessor für Mikrobiologie an der medizinischen Fakultät der University of Hong Kong; Professor Yuen Kwok-yung ist Henry-Fok-Professor für Infektionskrankheiten an der medizinischen Fakultät der University of Hong Kong.

(Anm.  d.   Red. : Am 18.3.2020 haben beide Professoren den Artikel zurückgezogen.)

 

Originalartikel (auf Chinesisch): https://news.mingpao.com/pns/%e8%a7%80%e9%bb%9e/article/20200318/s00012/1584470310596/%e9%be%8d%e6%8c%af%e9%82%a6-%e8%a2%81%e5%9c%8b%e5%8b%87-%e5%a4%a7%e6%b5%81%e8%a1%8c%e7%b7%a3%e8%b5%b7%e6%ad%a6%e6%bc%a2-%e5%8d%81%e4%b8%83%e5%b9%b4%e6%95%99%e8%a8%93%e7%9b%a1%e5%bf%98

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