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Das Leben asiatisch aussehender Menschen in westlichen Ländern wird zunehmend hart; nicht nur wegen des neuen Coronavirus, sondern auch wegen der rapiden Verbreitung bereits bestehender Diskriminierungen, die sich schon lange, bevor der Virus zu einer Pandemie geworden ist, ausgedehnt hatten.

Photo by Henry Be on Unsplash

Nachrichten in den sozialen Medien von Übergriffen auf Asiaten sind leider keine Ausnahmen, sondern spiegeln eine Verstärkung rassistischer Aggressionen gegen asiatisch aussehende Menschen wieder. Leben Sie als Asiate im Ausland, haben Sie möglicherweise in Ihrem Umfeld schon beängstigende Nachrichten gehört, wie etwa, dass Ihre Freunde und Bekannten in Geschäften nicht bedient oder auf der Straße beschimpft oder sogar unprovoziert tätlich angegriffen wurden. Vor einigen Monaten haben Asiaten trotz alledem noch ein relativ normales Leben geführt. Egal ob Hongkonger, Chinesen, Indonesier, Japaner, Koreaner, Vietnamesen, Taiwanesen oder Thailänder usw., die Leute begrüßten Sie mit einem „Ni Hao“ oder „Konnichiwa“, je nachdem, was Sie für angebracht hielten. Nun machen sie nicht einmal mehr diesen elementaren Fehler, weil Sie alle Corona sind. 

Wenn Rechtsextreme Ausschluss und Diskriminierung durch die Anschuldigung rechtfertigen, Einwanderer würden ohne die Absicht, die deutsche Sprache und Kultur zu übernehmen, in Deutschland eindringen, um die Sozialkassen zu plündern — interessiert sie dann tatsächlich, wer wir sind? Oder was diese Ausländer in anderen Ländern tun?

Um meine Deutschkenntnisse zu verbessern und mich so besser in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, habe ich zwei Monate lang regelmäßig an einer Sprachaustausch-Gruppe teilgenommen. Anders als die linke Mehrheit, der ich bei den aktivistischen Veranstaltungen begegnete, die wir zur Unterstützung der sozialen Bewegung in Hongkong organisierten, kamen die Mitglieder der Sprachgruppe aus verschiedenen sozialen Hintergründen. Unter ihnen waren auch mögliche AfD-Anhänger. Ich war ziemlich überrascht, als ich von einem Ostdeutschen hörte, dass die AfD nicht so schlimm sei, wie viele Leute sie beschrieben, und dass ihre Vorschläge von den Medien verzerrt würden. Offen gesagt war der Grund für mein Erstaunen seine Freundlichkeit gegenüber jemandem, der, wie ich, nur gebrochenes Deutsch sprechen konnte. Auch hatte er offensichtlich große Freude daran, in einem multikulturellen Umfeld Geschichten und Perspektiven mit Ausländern auszutauschen. Er wollte mir seine Anerkennung zeigen, indem er mir erzählte, dass er kein Problem mit einer „Einwanderin wie mir“ habe. „Ich kann mich nicht damit einverstanden erklären, dass mein Land Geld für Menschen ausgibt, die nie einen Beitrag leisten und sich in die deutsche Gesellschaft einfügen wollen, im Gegensatz zu Ihnen. Ihr Deutsch ist gut.“ Danke für die Stärkung meines Selbstvertrauens, aber mein Deutsch war nicht gut, nicht besser als das vieler anderer Ausländer.

Indem sie davon erzählen, wie dekadent einige der Einwanderer seien und wie sie die deutschen Bürger belasteten, tun die Ausschließer so, als ob sie diese schamlosen Ausländer persönlich kennen und die Menschen nicht einfach nach ihrem Aussehen beurteilen würden. Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus ist ein besonderer Anlass, zu dem ich beweisen kann, dass ich nicht einfach überempfindlich darauf reagierte, dass viele dieser Argumente nur Ausreden für eine irrationale Unsicherheit über die Veränderungen in ihrer Umgebung sind. Sie wissen nicht, wen sie hassen; sie hassen einen von ihnen selbst geschaffenen Mythos. Wenn sie Asiaten nur deshalb hassen, weil wir das Virus nach Europa gebracht haben, hätten sie uns nicht provoziert und wären nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen.

Photo by Macau Photo Agency on Unsplash

Wir sind Corona. Bevor wir ihnen unsere Berufe, unsere Sprachkenntnisse, unsere harte Arbeit, unsere Charaktere, unsere Persönlichkeit zeigen konnten, sahen sie nur unser asiatisches Aussehen. Perfektes Deutsch zu sprechen ist ebenso wenig wirksam gegen Rassismus wie das Tragen einer Maske bei einer Pandemie.

Unmittelbar nachdem der Ausbruch des Coronavirus in Wuhan bekannt wurde, begannen viele Asiaten, Desinfektionsmittel und Schutzmasken zu kaufen. Wir nennen dies eine Vorsichtsmaßnahme, vernünftig und vorsorglich, die viele Westländer dagegen als Überreaktion betrachten. Die Deutschen lachen Asiaten aus, die sich selbst als krank markieren, indem sie in öffentlichen Bereichen nutzlose Masken tragen. Sie ignorieren dabei die Tatsache, dass das Tragen von Masken die Infizierten daran hindern kann, Viren zu verbreiten, mit anderen Worten sind sie ein Weg, der eigenen Verpflichtung und Verantwortung anderen gegenüber nachzukommen. Studien deuten darauf hin, dass die Inkubationszeit des neuartigen Coronavirus bis zu 14 Tage betragen kann, ohne dass sich irgendwelche Symptome zeigen, was bedeutet, dass wir möglicherweise nicht in der Lage sind, zu beurteilen, ob wir infiziert sind oder nicht. Verschiedene Studien zur SARS-Epidemie wiesen nach, dass das Tragen von Masken keine Panik erzeugt, sondern Intimität und Vertrauen im Angesicht von Gefahr schafft. Masken sind zwar nicht zu 100 Prozent wirksam, ebenso wenig wie alles andere, aber sie senken die Ansteckungsrate, indem sie Tröpfchen einfangen, welche einen hauptsächlichen Verbreitungsweg des neuartigen Coronavirus darstellen. 

Ironischerweise begannen die Menschen, als die bestätigten Fälle in Deutschland und Italien auf mehr als 650 bzw. 4.500 hochschnellten, in Panik zu geraten und sich über diejenigen zu beschweren, die sich darauf vorbereitet hatten, und bezeichneten sie als Hamsterer medizinischer Ressourcen.

Die Pandemie wird schließlich vorübergehen. Aber der Rassismus — da bin ich mir nicht so sicher.

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